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Psychische Belastung durch die Pflege der Eltern

Psychische Belastung Pflege Eltern

Die Pflege von Familienangehörigen kann mit einer hohen psychischen und physischen Belastung verbunden sein. Sich um die alten und kranken Eltern zu kümmern, ist für viele erwachsene Kinder eine Herzensangelegenheit und ein moralischer Dienst für die Familie. Stellt sich die Pflegebedürftigkeit von Elternteilen erst nach und nach ein, bleibt für die Familie ausreichend Zeit, um alles zu organisieren. Doch Mutter und Vater können auch plötzlich zum Pflegefall werden; beispielsweise durch einen Unfall, Herzinfarkt oder Schlaganfall. Die Pflege der Eltern kann dann über viele Jahre andauern und aufgrund der Verschlechterung des Gesundheitszustandes immer anstrengender und belastender werden. Nicht selten bedeutet dies Dauerstress für pflegende Angehörige, was in Depressionen, Burnout und Erschöpfungszuständen münden kann. Dies, zumal pflegende Kinder meist auch noch die eigene Familie und den Beruf unter einen Hut bekommen müssen.

In diesem Beitrag möchten wir Sie für dieses Thema sensibilisieren, damit Sie Anzeichen für eine Überlastung frühzeitig erkennen und entsprechend handeln können. Bitte betrachten Sie die Informationen in diesem Artikel als gut gemeinte Hinweise und konsultieren einen Arzt, wenn es Ihnen nicht gut geht.

 

Das Wichtigste in Kürze

  • In Deutschland gibt es etwa 6,6 Millionen Menschen, die Angehörige zu Hause pflegen.
  • Einen Angehörigen im häuslichen Umfeld zu pflegen, ist physisch und mental belastend. Dies insbesondere dann, wenn Angehörige mit Demenz betreut werden müssen.
  • Es ist wichtig, Entlastung zu finden, um die eigene Gesundheit zu bewahren und zu schützen.
  • Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Unterstützung sowie praktischen Hilfe, um psychischen Beschwerden vorzubeugen.

 

Pflegende Angehörige haben ein hohes Risiko für Depressionen

Das Pflegen der eigenen Eltern stellt einen emotionalen Prozess dar. Es findet ein Rollentausch statt, da sich jetzt nicht mehr Mutter oder Vater um die Kinder kümmern, sondern andersherum. Viele Kinder treffen die Entscheidung, ihre Eltern bis zum Tod zu versorgen und wollen ihnen etwas zurückgeben. Mehr als 65 % aller Pflegebedürftigen werden zu Hause von Angehörigen gepflegt, wovon es sich bei dem Großteil um Frauen bzw. erwachsene Töchter handelt.

Besonders belastend kann die Versorgung sein, wenn Mutter oder Vater an einer Form von Demenz leiden. Demenzielle Erkrankungen bringen die Herausforderungen mit sich, dass sich die Persönlichkeit von Betroffenen verändert und sie sich in ihre Kindheitsphase zurückentwickeln. Diese Situation führt zu Gefühlen wie Trauer, Stress, Scham oder Hilflosigkeit und trifft Kinder schwer. Zusätzlich übernehmen viele Töchter und Söhne pflegerische Aufgaben neben ihrer eigenen Arbeit und müssen sich zusätzlich noch um die eigene Familie kümmern. Deshalb zeigen viele pflegende Angehörige depressive Symptome wie beispielsweise

  • Schlafstörungen
  • Reizbarkeit oder
  • körperliche Erschöpfung.

 

Bei einer Depression handelt es sich um eine ernstzunehmende Krankheit, die eine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung und Therapie erfordert. Deshalb ist es besonders wichtig, dass sich Betroffene zwecks Prävention regelmäßig Auszeiten nehmen und Entlastung erfahren.

 

Wie kann man eine Überlastung erkennen?

Pflegende Familienangehörige sollten stets auf ihre körperliche und mentale Gesundheit achten. Um früh genug zu erkennen, dass aus Belastungen mit der Zeit Gesundheitsprobleme oder sogar ernste Erkrankungen werden könnten, bedarf es einer regelmäßigen Selbstreflexion. Nur dann, wenn es Pflegenden selbst gut geht, können sie sich auch adäquat um andere kümmern.

Auf eine Überlastung hinweisen könnten folgende Anzeichen, sofern sie häufiger, kombiniert oder verstärkt auftreten:

 

Körperliche Symptome

  • ungewohnte Müdigkeit
  • Schlafstörungen
  • Magenprobleme und Verdauungsprobleme
  • Gewichtsschwankungen
  • Herz-Kreislauf-Beschwerden
  • ungewöhnliche Infektanfälligkeit
  • Hautprobleme
  • Muskelverspannungen
  • Schmerzen im Kopf-, Nacken-, Rücken-, Schulter- oder Kieferbereich

 

Psychische Symptome

  • Reizbarkeit
  • Nervosität und Unruhe
  • Konzentrations- und Gedächtnisschwierigkeiten
  • Rast- und Antriebslosigkeit
  • Stimmungsschwankungen
  • Niedergeschlagenheit, Hilflosigkeit, Angst, Einsamkeit, Trauer, Wut und andere bedrückende Gefühle
  • Gefühl der Wertlosigkeit
  • Übermäßiger Gebrauch von Tabak, Medikamenten, Alkohol oder Drogen

 

Viele dieser Beschwerden können auf eine Überlastung hindeuten – müssen es aber nicht. Dennoch sollte bei Auftreten eines oder mehrerer Symptome ein Arzt konsultiert werden.

 

Möglichkeiten der psychischen Unterstützung

Es gibt verschiedene Strategien, wie die geistige bzw. seelische Belastung in der Pflege reduziert werden kann:
  • Perspektive wechseln: Reagieren pflegende Angehörige häufig ungeduldig, wütend oder gereizt, kann ein Perspektivwechsel hilfreich sein. Die Welt durch die Augen von Mutter oder Vater zu betrachten führt zu mehr Verständnis für alte oder kranke Eltrenteile und verbessert den Umgang.
  • Soziale Kontakte pflegen: Bekannte und Freunde können wertvolle Ressourcen darstellen. In regelmäßigen Treffen kann mit Vertrauten über belastende Situationen gesprochen werden. Wichtig ist bei diesem Austausch aber auch, die anstrengenden Themen für eine kurze Zeit in den Hintergrund zu drängen und über positive Dinge zu reden. Es tut gut, die Probleme und Schwierigkeiten für eine kurze Dauer zu vergessen.
  • In Balance kommen: Sich zwischendurch ganz bewusst etwas Gutes zu tun, kann helfen, wieder in Balance zu finden. Ob es sich dabei um einen Kinobesuch oder einen Wellness-Ausflug handelt, weiß jeder selbst. Wichtig ist, sich bewusst Zeit für sich und eigene Bedürfnisse zu nehmen.
  • Bewegung und Aktivitäten: Regelmäßige Bewegung trägt zur Gesunderhaltung bei. Um die Widerstandskraft wieder zu erhöhen, muss es nicht sofort der anstrengende Ausdauersport sein. Es reichen schon regelmäßige Spaziergänge, Entspannungsübungen, Yoga oder andere körperliche Aktivitäten aus, die auch Spaß machen.
  • Selbsthilfegruppe besuchen: Es gibt in nahezu jeder Stadt mindestens eine Selbsthilfegruppe für pflegende Angehörige, die sich dort zum Austausch treffen. Hier fangen sich Betroffene gegenseitig auf, motivieren sich und teilen wertvolle Tipps und Tricks miteinander.

 

Körperlich fit bleiben durch Training

Körperliche Überforderung ergibt sich meist auf den mit der Pflege verbundenen physischen Anstrengungen wie etwa Heben, Bücken und andere einseitige und mit Kraftaufwand durchzuführende Bewegungen. Auch dann, wenn Eltern auch in der Nacht gepflegt werden müssen, kann sich die Störung der Nachtruhe körperlich bemerkbar machen.
Die bereits bei den seelischen Unterstützungsmöglichkeiten erörterte Bewegung kann auch auf physischer Ebene weiterhelfen. Ein leichtes Kraft- und Ausdauertraining hält Muskeln und Gelenke geschmeidig. Außerdem sollte an der Körperhaltung gearbeitet werden, damit bei einseitigen Strapazen keine Muskelverhärtungen auftreten können. Sind die Muskeln bereits verspannt, können Massagen sowohl Entspannung als auch Linderung bieten.

Speziell für pflegende Angehörige werden Pflegekurse angeboten, die auch Informationen zum korrekten Anheben, Umlagern oder Mobilisieren vermitteln. Neben den Online-Kursen gibt es die durch § 45 SGB XI ohne finanziellen Aufwand von den Pflegekassen anzubietenden Pflegeschulungen. In diesen kostenlosen Pflegekursen wird gelehrt, wie pflegende Angehörige physischen und mentalen Beeinträchtigungen vorbeugen können.

 

Wie können pflegende Angehörige sonst noch unterstützt werden?

Die alte Mutter oder den gebrechlich gewordenen Vater zu Hause zu pflegen ist eine schwere und emotionale Aufgabe. Zu Beginn unterschätzen Familienmitglieder, wie anstrengend die Versorgung von einem Pflegefall sein kann. Und je weiter Erkrankungen fortschreiten, desto mehr Aufgaben müssen bewältigt werden. Die Zeit für sich selbst wird immer knapper und das eigene Leben kommt viel zu kurz. Pflegende Familienmitglieder gestehen sich meist viel zu spät ein, dass sie Entlastung benötigen, weil sie überfordert sind. In vielen Fällen geschieht das erst dann, wenn sie vor lauter Erschöpfung selbst krank werden. Ist dies der Fall, kann nur noch eine Kur oder Reha helfen. Eine solche Maßnahme wird über den Hausarzt und die Rentenversicherung in die Wege geleitet. Und für die Zeit der Kur oder Reha haben Angehörige mehrere Möglichkeiten der entlastenden Vertretung:

 

  • Kurzzeitpflege: Wenn Pflegebedürftige ab Pflegegrad 2 zu Hause wegen Urlaub, Krankheit oder Verhinderung der Pflegeperson vorübergehend nicht versorgt werden können, sieht der Gesetzgeber die bezuschusste Kurzzeitpflege vor. Diese erfolgt in einer stationären Einrichtung und wird für bis zu acht Wochen im Jahr gewährt. Einen Teil des finanziellen Aufwands übernimmt bis zu 1.774 € jährlich die Pflegekasse. Das Pflegegeld wird während dieser stationären Pflege zur Hälfte weiter ausgezahlt. Die Kurzzeitpflege empfiehlt sich übrigens auch bei Notwendigkeit einer vorübergehenden intensiveren Pflege, beispielsweise nach einem Aufenthalt im Krankenhaus.
  • Verhinderungspflege: Machen private Pflegepersonen Urlaub, sind krank oder können aus anderen Gründen ihrer Pflegetätigkeit nicht nachgehen, kommt die Verhinderungspflege in Betracht. Die Pflegeversicherung übernimmt für Pflegebedürftige ab Pflegegrad 2 für maximal sechs Wochen im Jahr die Kosten für eine Ersatzpflege durch Angehörige, Ehrenamtliche oder ambulante Pflegedienste. Leistungen aus der Verhinderungspflege werden bis zu 1.612 € erstattet. Das Pflegegeld wird während der Verhinderungspflege zur Hälfte weiter gezahlt.
  • Stundenweise Betreuung: Bei dieser Alltagsbegleitung kümmern sich geschulte Betreuungskräfte um Senioren und Pflegebedürftige. Die Betreuungskräfte in der stundenweisen Betreuung können für wenige Stunden pro Woche eingesetzt werden, täglich kommen oder sporadisch in Anspruch genommen werden. Zu den Leistungen in der stundenweisen Betreuung gehören Hilfe im Haushalt, Begleitung im Alltag und Unterhaltung in der Freizeit. Ist der Anbieter entsprechend zugelassen, können die Kosten über den monatlichen Entlastungsbetrag von bis zu 125 € abgerechnet werden.
  • 24 Stunden Betreuung: Bei der offiziell „Betreuung in häuslicher Gemeinschaft“ genannten 24 Stunden Betreuung zieht eine vorab sorgfältig ausgewählte Betreuungskraft mit in den zu betreuenden Haushalt ein. Dort übernimmt sie Aufgaben im Haushalt, bei der Grundpflege und im Alltag, sodass Kinder kaum noch in Pflege und Versorgung eingebunden werden müssen. Die 24 Stunden Betreuung kann bei Bedarf mit einem ambulanten Pflegedienst kombiniert werden und vermeidet in vielen Fällen den Umzug in ein Pflegeheim.

 

 

Fazit: Auch auf die eigene Gesundheit achten! 

Die Pflege der Eltern stellt Kinder vor verschiedene Herausforderungen. Zu Beginn kann niemand richtig abschätzen, wie sich die Pflegesituation entwickelt und welche Kräfte erforderlich werden, allen Anforderungen gerecht zu werden. In die Versorgung der Eltern eingebundene Kinder überschätzen sich leicht selbst und vergessen im Pflegealltag, auf ihre Gesundheit zu achten. Eine vernünftige Betreuung und Versorgung kann jedoch nur dann geleistet werden, wenn Pflegepersonen selbst fit und mit sich im Reinen sind. Familienmitgliedern werden zahlreiche Möglichkeiten geboten, Belastungen zu vermeiden und sich zu entlasten.

Sollte die Pflegesituation trotzdem zu seelischen oder physischen Erkrankungen führen, muss dem durch ein anderes Versorgungskonzept Abhilfe geschaffen werden. Im häuslichen Umfeld bietet sich hier die 24 Stunden Betreuung an, bei der eine Betreuungskraft mit im Haushalt der Eltern wohnt. Vom Reinigen der Wohnung über die Zubereitung aller Mahlzeiten bis hin zur Unterstützung bei der Körperhygiene übernimmt die Betreuerin alle notwendigen Aufgaben, damit es den Eltern zu Hause weiterhin gut geht. Ist eine medizinische Behandlungspflege notwendig, kann die 24 Stunden Betreuung auch mit einem ambulanten Dienst kombiniert werden und trägt so dazu bei, dass deutlich weniger Senioren in einem Pflegeheim untergebracht werden müssen.

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