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Mobilität im Alter und Sturzprävention: Wie Live-in-Betreuung Risiken senkt und Selbstständigkeit erhält

Ein älterer Mann liegt mit seinem Gehstock auf dem Boden

Stürze gehören zu den größten Einschnitten im Leben älterer Menschen. Ein einziger Sturz kann aus einem selbstbestimmten Alltag eine Abfolge von Krankenhaus, Reha und anhaltender Unsicherheit machen. Häufig bleibt weniger die körperliche Folge im Vordergrund, sondern die Angst: Was, wenn es wieder passiert und niemand ist da? Betreuung in häuslicher Gemeinschaft setzt genau hier an. Sie verbindet Sturzprävention mit alltagsnaher Mobilität im Alter und schafft ein Sicherheitsnetz, das nicht aus Verboten, sondern aus kluger Umgebungsgestaltung und präsenter Begleitung besteht.

Von Stefan Lux, Geschäftsführer der SHD Seniorenhilfe Dortmund

Sturzprävention im Alter beginnt nicht bei speziellen Übungen, sondern im alltäglichen Bewegungsraum. Die Wohnung wird aus der Perspektive einer Person betrachtet, die langsamer geht, vielleicht einen Rollator nutzt, unter Schwindel oder orthopädischen Einschränkungen leidet. Teppichkanten, lose Kabel, schlecht ausgeleuchtete Flure, zu niedrige Sitzmöbel oder glatte Badezimmervorleger können zu Sturzfallen werden. Eine Live-in-Betreuung erkennt solche Risiken im Alltag, weil sie alle Wege mitgeht, Transfers beobachtet und auf kleine Signale achtet: zögerliche Schritte, häufiges Festhalten an Möbelkanten, sichtbare Unsicherheit beim Aufstehen. Mikroanpassungen – rutschhemmende Unterlagen, Haltegriffe, gut platzierte Sitzmöglichkeiten, konsequent freigehaltene Wege – entfalten in der Summe große Wirkung.

Mobilität im Alter zu erhalten bedeutet, Bewegung in gewohnte Abläufe einzubetten. Die Betreuung in häuslicher Gemeinschaft plant den Tag so, dass regelmäßige, kalkulierbare Aktivitäten entstehen: der Gang zur Küche nicht im Laufschritt, sondern überlegt und begleitet, die Bewegung zur Wohnungstür als bewusst gestaltete Sequenz mit Pausen, das Aufhängen von Wäsche oder das Gießen von Blumen als kleine Trainingseinheiten für Gleichgewicht und Kraft. Es geht nicht um sportliche Programme, sondern um sichere Alltagsbewegung, die Sturzrisiko senkt und gleichzeitig das Gefühl von Selbstständigkeit erhält. Die Betreuungskraft ermutigt, bleibt in Griffweite, bietet im richtigen Moment Unterstützung an und dokumentiert Veränderungen, ohne therapeutische Übungen anzuleiten – diese bleiben Aufgabe von Physio- oder Ergotherapie.

Sturzprävention umfasst auch die Themen Kreislauf, Medikamente und Ernährung

Technische Systeme können Sturzprävention unterstützen, wenn sie sensibel integriert werden. Nachtlichter mit Bewegungsmeldern, bettseitige Sensoren, die bei ungewohntem Aufstehen ein leises Signal geben, oder tragbare Notrufsysteme schaffen Sicherheitsreserven. Moderne Sensorik kann Auffälligkeiten im Bewegungsmuster registrieren, etwa längere Inaktivität oder häufige nächtliche Wege, und so Anlass zur Beobachtung geben. Wichtig ist, dass diese Technik nicht als Überwachungsinstrument erlebt wird, sondern die Handlungsfähigkeit stärkt. Die Betreuungskraft bleibt der zentrale Bezugspunkt. Sie ist vor Ort, kann im Ernstfall sofort reagieren, die Lage einschätzen, Angehörige informieren und bei Bedarf den Rettungsdienst rufen.

Sturzprävention umfasst auch die Themen Kreislauf, Medikamente und Ernährung – Bereiche, in denen Betreuung und medizinische Profis in einem Versorgungsnetz zusammenwirken. Blutdruckschwankungen, entwässernde Medikamente oder Wechselwirkungen können Schwindel und Schwäche fördern. Die Betreuung in häuslicher Gemeinschaft nimmt keine Anpassungen vor und verabreicht keine Medikamente eigenständig, sie beobachtet aber Veränderungen und sorgt dafür, dass relevante Informationen bei Hausärztin, Kardiologe oder Geriater ankommen. Regelmäßiges Trinken, leichte, ausgewogene Kost und die Vermeidung von gefährlichen „All-in-one-Aktionen“ – etwa Wäschekörbe tragen, während man sich gleichzeitig bückt und dreht – werden zur Routine. So werden ärztliche Empfehlungen von der Theorie zur gelebten Praxis.

Mobilität im Alter: Live-in-Betreuung begegnet Angst durch Präsenz und planbare Begleitung

Ein entscheidender Faktor ist die Sturzangst. Wer schon einmal gestürzt ist, vermeidet aus Sorge vor Wiederholungen viele Bewegungen. Paradoxerweise erhöht das das Risiko: Muskeln bauen ab, Gleichgewicht nimmt ab, die Wohnung wird nur noch in Teilbereichen genutzt. Live-in-Betreuung begegnet dieser Angst durch Präsenz und planbare Begleitung. Herausfordernde Situationen, etwa das Duschen, Treppensteigen oder der Weg nach draußen, werden gut vorbereitet, zeitlich in stabile Phasen gelegt und Schritt für Schritt erlebt. Die Person merkt: Ich bin nicht allein, und wir haben Zeit. Dieses Erleben von kontrollierter Machbarkeit ist oft wirksamer als jede theoretische Beruhigung.

Rechtlich bleibt die Grenze zur Behandlungspflege klar. Betreuungskräfte in häuslicher Gemeinschaft führen keine verordneten Therapieprogramme durch, bedienen keine komplexen Hilfsmittel ohne Einweisung und überbrücken kein Fehlen von Pflegefachkräften. Sie schaffen Struktur, begleiten, motivieren, beobachten und koordinieren. In Zusammenarbeit mit Physiotherapie, Hausärztin und Hilfsmittelversorgern entsteht so ein Netz, das Sturzrisiken reduziert, ohne den Alltag einzusperren. Ziel ist nicht, jede Bewegung zu verhindern, sondern sichere Bewegung zu ermöglichen.

Für Angehörige bedeutet das für die Mobilität im Alter: Sturzprävention mit Live-in-Betreuung zeigt sich im Alltag. Weniger hektische Situationen, weniger Improvisation, mehr durchdachte Abläufe. Senioren gewinnen Vertrauen in den eigenen Körper zurück, trauen sich wieder in Teile der Wohnung, die sie gemieden haben, und erleben, dass Selbstständigkeit nicht an einem Alter festgemacht ist, sondern an einem Umfeld, das Sicherheit aktiv unterstützt.