Bei der Frontotemporalen Demenz – kurz FTD genannt – handelt es sich um eine neurodegenerative Erkrankung, die das Gehirn im Bereich der Stirnlappen (frontal) und Schläfenlappen (temporal) betrifft. Diese Hirnregionen sind für das Verhalten, die Persönlichkeit, die Sprache und die Emotionen verantwortlich. Im Gegensatz zur Alzheimer-Krankheit, die oft mit Gedächtnisproblemen beginnt, äußert sich die Frontotemporale Demenz häufig zuerst durch Veränderungen im Verhalten, in der Persönlichkeit oder durch Sprachstörungen. Sie tritt im Gegensatz zu vielen anderen Demenz-Arten typischerweise in einem jüngeren Alter auf; oft schon zwischen 45 und 65 Jahren.
Eine Frontotemporale Demenz schreitet fort. Die Symptome verschlimmern sich mit der Zeit, da die Nervenzellen in den betroffenen Hirnregionen nach und nach absterben. Krankheitsverlauf und Geschwindigkeit des Fortschreitens sind unterschiedlich, was eine Prognose der Lebenserwartung erschwert. Im Durchschnitt beträgt diese nach Beginn erster Symptome etwa sieben bis 13 Jahre.
Symptome einer Frontotemporalen Demenz
Die Verschlechterung der Symptome verläuft in der Regel in mehreren Phasen:
- Frühes Stadium: Häufig stehen zunächst Verhaltens- und Persönlichkeitsveränderungen oder Sprachstörungen im Vordergrund.
- Mittleres Stadium: Die Symptome verstärken sich. Verhaltensweisen können impulsiver oder stereotyp werden, Sprachfähigkeiten lassen weiter nach. Alltagsaktivitäten werden zunehmend schwieriger.
- Spätes Stadium: Im Endstadium ähneln die Symptome oft denen anderer Demenzformen. Es kommt zu einer deutlichen Beeinträchtigung des Gedächtnisses, des Denkvermögens und der Orientierung. Körperliche Symptome wie Schluckstörungen, Bewegungsstörungen und eine allgemeine Schwäche treten hinzu. Betroffene werden in der Regel vollständig pflegebedürftig.
Die häufigste Todesursache im fortgeschrittenen Stadium ist eine Lungenentzündung, die durch Schluckstörungen oder allgemeine körperliche Schwäche verursacht wird.
Bedeutung für die Pflege
Die Pflege von Menschen mit einer Frontotemporalen Demenz unterscheidet sich von der Versorgung von Menschen mit Alzheimer oder einer anderen Demenz. Da das Verhalten und die Persönlichkeit stark beeinträchtigt sind, müssen Pflegende mit Verhaltensauffälligkeiten wie Enthemmung, Gleichgültigkeit, Impulsivität, stereotypen Handlungen oder einem Mangel an Empathie umgehen. Es ist entscheidend, die Umgebung ruhig, strukturiert und vorhersehbar zu gestalten. Regelmäßige Routinen und eine sanfte Lenkung können helfen, impulsive und herausfordernde Verhaltensweisen zu reduzieren. Es ist wichtig, das Verhalten nicht persönlich zu nehmen, da es Teil der Erkrankung ist. Stattdessen sollten Pflegende und pflegende Angehörige mit Geduld, Verständnis und Humor reagieren. Kommunikation kann schwierig sein, weshalb nicht-verbale Signale und einfache, klare Anweisungen angewendet werden sollten.
Diagnose
Die Diagnose einer Frontotemporalen Demenz ist komplex. Es gibt keinen einzelnen Test, der die Krankheit eindeutig diagnostiziert. Ärzte stellen die Diagnose anhand der Symptome, einer körperlichen und neurologischen Untersuchung sowie bildgebender Verfahren wie MRT (Magnetresonanztomographie) oder PET (Positronenemissionstomographie).
Bildgebende Verfahren können helfen, die Schrumpfung (Atrophie) der betroffenen Hirnregionen zu erkennen. Da die Symptome anderen neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen ähneln können, ist eine umfassende Abklärung durch spezialisierte Neurologen und Psychiater erforderlich.
Therapiemöglichkeiten
Leider gibt es derzeit keine Heilung für eine Frontotemporale Demenz und auch keine Medikamente, die den Krankheitsverlauf aufhalten können. Die Therapie konzentriert sich daher auf die Linderung der Symptome und die Verbesserung der Lebensqualität.
Medikamente, die gegen Alzheimer eingesetzt werden, sind bei der Frontotemporalen Demenz oft nicht wirksam und können die Symptome sogar verschlimmern. Dennoch gibt es bestimmte Medikamente, die beispielsweise das Verhalten beeinflussen (z. B. Serotonin-Wiederaufnahmehemmer). Wichtiger ist aber die nicht-medikamentöse Therapie, die Verhaltensstrategien, Sprachtherapie und Ergotherapie umfasst. Regelmäßige körperliche und geistige Aktivität, eine strukturierte Tagesplanung und eine angepasste Ernährung tragen ebenfalls zum Wohlbefinden bei. Eine unterstützende Umgebung und die Entlastung pflegender Angehöriger sind entscheidend.
« Zurück zum Pflegelexikon